Corona Härtefall Fond- Ein offener Brief

Aktualisiert: Mai 7

Ich glaube, ich bin eine gute Bürgerin. Ich zahle brav Steuern, finde die Maßnahmen der Regierung wegen Corona im Prinzip ziemlich in Ordnung und schaffe es, das Beste aus dieser Zwangspause zu machen.

So weit so gut.


Aber nach 6 Wochen des Corona-bedingten „dolce far niente“ gingen naturgemäß die Eingänge auf meinem Konto allmählich zur Neige, also wurde es Zeit, mich mit den so umfassend angepriesenen Hilfsmaßnahmen auseinander zu setzen, denn, so unser trautes Regierungsteam: „Wir lassen niemanden hinten“, „Koste es was es wolle“.

Wir passen alle unter den Rettungsschirm.


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Hörte ich. Glaubte ich. Dachte ich.

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Und jetzt sitze ich hier vor meinem PC und studiere die Richtlinien des Härtefallfonds für "neue Selbständige" und Co.

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Und ich fühle mich gelinde gesagt verarscht.

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Da wird nur nach dem Einkommen im fraglichen Monat gefragt, also nach dem, was auf mein Konto DRAUFkommt. Was davon fast in der Sekunde wieder WEGkommt, ist dabei völlig egal.


Und dann gibt es - aber nur, wenn in dem besagten Monat ÜBERHAUPT nichts auf mein Konto kommt - 2000.-- Euro.

Aber sobald sich noch irgend eine Überweisung aus meiner Arbeit aus Zeiten vor Corona auf mein Konto verirrt, gibt’s sofort dementsprechend weniger.

Na, zum Glück wurde jetzt der Beobachtungszeitraum auf 6 Monate erweitert und es gibt sogar eine Mindestgrenze:

500.- Euro krieg ich auf jeden Fall. Im Monat.

Danke!

Da frag ich mich wirklich: „Wem fällt so etwas ein???“

Jetzt sind 2000.- Euro für ein Ein-Personen-Unternehmen an sich schon nicht sehr üppig, und diese Summe wird dann auch noch an Bedingungen geknüpft????


Welcher selbständige Mensch kann mit einem Umsatz von 2000.- Euro im Monat aber auch nur irgendetwas zustande bringen geschweige denn die laufenden Kosten stemmen?


Ich dachte eigentlich, der Härtefall-Fond wäre dazu da, damit man eben KEIN Härtefall wird, aber offenbar muss man erst zum Härtefall werden, damit man um Hilfe aus dem Härtefall-Fond ansuchen kann.


Jeden Tag wurden Pressekonferenzen abgehalten, und immer wurde versprochen, wir werden nicht im Stich gelassen.


Aber es wurde nie erwähnt, dass sie uns erst ausbluten lassen, bevor sie uns dann (aber auch nur vielleicht) kurz vor der letzten Zuckung ein kleines Trostpflaster aufs Hirn kleben.


Liebe Regierung,

ich habe - naja, vielleicht hatte – wirklich großes Vertrauen in Sie. Und bis jetzt haben Sie auch immer sehr schnell reagiert, damit die Situation nicht kippt.


Ich kann nur hoffen, dass Sie auch genauso schnell die Unterstützungsleistungen im Härtefall Fond spürbar modifizieren bzw. unbürokratischer und zweckmäßiger gestalten.


2000.-- für mindestens 3 Monate und zwar ohne Wenn und Aber wären schon eine guter Anfang und gäben einem das Gefühl, ernst genommen zu werden.


Bitte denken Sie daran: Wenn man schon ertrunken ist, braucht man keinen Rettungsring mehr!


Liebe Grüße aus Linz!


Ihre schwer enttäuschte, aber noch immer hoffende

Mag. Isabella Woldrich

Psychologin - Kabarettistin - Autorin


Nachtrag: Ich habe den Inhalt dieses Blogs am 6.5.20 an Bundeskanzler Sebastian Kurz, Vizekanzler Dr. Werner Kogler und Finanzminister Mag. Gernot Blümel gemailt. Bin gespannt ob ich verhaftet werde :-). Ich halte euch auf dem Laufenden!



Bild "Sparschwein" von kalhh auf Pixabay

Bild "Helfende Hände" von Sasin Tipchai auf Pixabay

Bild "Rettungsring" von Gerd Altmann auf Pixabay

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